Bilderschrift


Bilderschrift
Bịl|der|schrift 〈f. 20Vorform der Schrift, bei der ein Wort, Satz od. Gedankenzusammenhang durch ein Bild od. ein bildhaftes Zeichen ausgedrückt wird, z. B. die Schrift der Maya; Sy Piktografie

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Bịl|der|schrift, die:
Schrift, die Wörter, Begriffe od. gedankliche Zusammenhänge durch bildhafte Zeichen ausdrückt.

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Bilderschrift,
 
Piktographie, eine Schrift, die eine Folge von Denkinhalten in bildhafter Form darstellt. Auch Wort- oder Begriffsschriften, Silbenschriften und Lautschriften können bildhafte Elemente enthalten. Man unterscheidet Bilderschriften, in denen Bild und sprachliche Form in engerer Beziehung zueinander stehen, von solchen, in denen die Darstellung eines gedanklichen Zusammenhangs unabhängig von einer bestimmten sprachlichen Umsetzung erfolgt (Ideenschrift). Bilderschriften finden sich sowohl in der Stein- und Bronzezeit Europas wie u. a. noch bei den Jukagiren in Nordostsibirien und den Nakhi in Nordwestyunnan.
 
Schriftträger der Bilderschriften sind Stein (Felsbilder), Rinde, Holz, Knochen, Felle, Gewebe, schließlich Pergament und Papier. Eine Vorstufe der Bilderschriften sind u. a. die bei den Dakota in Nordamerika zu findenden »Winterzählungen«: auf Büffelfellen wurden wichtige Ereignisse eines Jahres in bezeichnenden, einfachen Bildern festgehalten, die der Zeitrechnung dienten (die Jahre wurden nach Wintern gezählt). Bei den nordamerikanischen Indianern ebenso wie bei den Eskimo ist die sprachliche Form der Mitteilung nicht stereotyp festgelegt. Nur zum Teil findet sich eine lautlich-symbolische Wiedergabe von Namen. Zu dieser Form der Bilderschriften gehören auch das Walam Olum (»wahrhafte Zeichnung«) mit der auf fünf Birkenrindenstücken aufgezeichneten Chronik der Delawaren sowie die Kekewin (profane Texte) der Chippewa (Ojibwa). Bei den Kekinowin (den kulturellen Texten dieses Indianerstammes) ist die Zuordnung der Bilderfolge zum Wortlaut eines Satzes jedoch bereits festgelegt (Satzschrift). Ein ähnliches Verfahren findet sich bei den Ewe in Afrika, die Sprichwörter in Form von Bildern festhalten.
 
In den Hochkulturen Mesoamerikas hebt sich die Bilderschrift der Maya deutlich ab, da diese sich mit ihrem festen Inventar von Zeichenformen schon zu einer Silbenschrift hin entwickelte. Die aztekische Bilderschrift (z. B. im mexikanischen Tonalamatl) verbindet bildliche und rebusartige Darstellung. Zu den Bilderschriften, die ihre an bestimmte Wörter gebundenen Bilder kenntlich und in fortschreitender Reihe anordnen, zählt u. a. die chinesische Schrift (chinesische Sprache und Schrift). In der Keilschrift (einer Kombination von Wort- und Silbenzeichen) wurden aus den Wortzeichen Silbenzeichen abgeleitet, die nicht den Sinn des Wortes, sondern dessen Lautung wiedergaben. Auch in der ägyptischen Hieroglyphenschrift (ägyptische Kultur, Schrift) entsprechen die Hieroglyphen bestimmten Lautkomplexen. Bildhafte Silbenschriften entwickelten sich in den Randkulturen des Mittelmeerraums, z. B. das Hieroglyphenluwische, die kretischen Schriften und die Anfänge der iberischen Schriften; auch die Zeichen auf dem Diskos von Phaistos zeigen eine Bilderschrift. Erst die Buchstabenschrift ergibt eine völlige Loslösung von der Bilderschrift. Noch urtümlicher als die Vorstufen der Bilderschrift ist die Gegenstandsschrift: So werden z. B. bei den Yoruba in Westafrika bestimmte Gegenstände (Kaurimuscheln u. a.) als Briefe ausgesandt. Im Bereich der Keilschrift können »Zählsteine« als Vorläufer der späteren Tabellen mit Zahlenangaben und Darstellung des gezählten Gegenstandes gelten.
 
Eine besondere Form der Bilderschrift ist das Bilderrätsel.
 
 
K. Weule: Vom Kerbstock zum Alphabet (201928);
 K. Sethe: Vom Bilde zum Buchstaben (1939);
 S. Schott: Hieroglyphen. Unters. zum Ursprung der Schrift (1950);
 I. J. Gelb: Von der Keilschrift zum Alphabet (a. d. Amerikan., 1958);
 K. Földes-Papp: Vom Felsbild zum Alphabet (1966);
 J. Friedrich: Gesch. der Schrift (1966);
 H. Jensen: Die Schrift in Vergangenheit u. Gegenwart (Berlin-Ost 31969, Nachdr. 1986);
 Alfred Schmitt: Entstehung u. Entwicklung von Schriften (1980);
 G. Ifrah: Universalgesch. der Zahlen (a. d. Frz., 1986).

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Bịl|der|schrift, die: Schrift, die Wörter, Begriffe od. gedankliche Zusammenhänge durch bildhafte Zeichen ausdrückt.

Universal-Lexikon. 2012.

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